Kamann: Klare Regeln für Crypto-Währungen!

Letzte Woche tagte der Ausschuss Digitale Agenda zum Thema: „Digitale Währungen, insbesondere Libra“. Sechs Experten aus Wirtschaft und Forschung sowie Benoit Coeuré von der EZB waren hierzu als Sachverständige eingeladen. Dabei wurden Pro und Contra der neuen Crypto-Währung von Facebook kontrovers debattiert.

„Wir dürfen nicht vergessen, dass Facebook ein börsennotiertes, nach Gewinn strebendes Unternehmen ist, und zuallererst seine eigenen Interessen verfolgt. Dies darf auf keinen Fall zu Lasten der Nutzer geschehen oder sogar die Geld- und Finanzsysteme ganzer Volkswirtschaften beeinflussen“, so Uwe Kamann.

Insbesondere die enorme Reichweite von Facebook – geschätzt 2,4 Milliarden Libra-Nutzer – und das potenzielle Volumen von Libra – vorerst ca. 250 Milliarden US-Dollar – sind Anlass zur Sorge. Libra wird eine auf einen Währungskorb gestützte Parallelwährung werden, was zunächst aus Stabilitätsgründen begrüßenswert klingt: Nutzer werden so weitestgehend vor Kursschwankungen oder gar hohen Wertverlusten geschützt. Problematisch ist allerdings, dass diese Wechselkursfixierung Auswirkungen auf eben die Währungen haben wird, die Libra stützen sollen. Ändert Facebook beispielsweise die Höhe seiner Euro-Bestände, so könnte dies Auswirkungen auf den Eurokurs an den Finanzmärkten haben.

Ein großes Problem, wie der Bundestagsabgeordnete und Unternehmer Uwe Kamann betonte. Dazu wurde von ihm die Sachverständige Frau Prof. Dr. Michaela Hönig von der Frankfurt University of Applied Science befragt, die das Problem ebenfalls so sieht:

Aber nicht nur die Auswirkungen auf die Wechselkurse der stabilisierenden Währungen sind gefährlich. Schwellenländer mit einer ohnehin bereits instabilen Währung werden noch viel größere Kursschwankungen hinnehmen müssen, sobald sich Libra dort etabliert. Auch darauf wies Kamann hin:

Zusammenfassend muss man festhalten, dass es noch eine Vielzahl offener Fragen und Probleme in Bezug auf die neue Facebook-Währung gibt, die Facebook selbst noch lange nicht ausreichend beantwortet hat.

„Solange bekannte Probleme mit einer solchen Tragweite bestehen, können wir Facebook keinen Blankoscheck ausstellen, Libra zu etablieren. Für die Facebook-Währung müssen klare Regeln kodifiziert werden. Facebook muss transparenter auf bestehende Problemlagen eingehen und sich an klar definierte Gesetze halten. Nur so haben wir die Chance, unser Finanz- und Geldsystem vor bereits bekannten und noch unbekannten Risiken zu schützen. Wir müssen entschieden dafür sorgen, dass wir nicht von einem Quasi-Monopolisten mit eigener Währung zu dessen Spielball für die Maximierung seiner Unternehmensgewinne werden“, so Kamann abschließend.